GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
                       
Hubert Blanz   Hubert Blanz   Hubert Blanz   Hubert Blanz   Hubert Blanz      
                       
                       

Hubert Blanz: blanzscape, 21. 10. - 03. 12. 2004

< < < Ausstellungs-Archiv 2004
 
Information > > >

 

Wirklichkeit - die sogenannte Realität - ist das individuelle Konstrukt selektiver Wahrnehmung.
Verbleiben deren Gegenstände in ihren codierten Bedeutungszusammenhängen erregen sie zumeist wenig Aufsehen. Die normative Kraft des Alltäglichen und Gewöhnlichen vermittelt einerseits ein Gefühl von Sicherheit und andererseits den referenziellen Hintergrund für eine klassifizierende Abgrenzung gegenüber jenen Phänomenen, die sich einer unmittelbaren Einordnung entziehen.
Die schiere Präsenz des Materials, das seiner eingeschriebenen semantischen Codierung entledigt wird, eröffnet dem Betrachter neue Projektionsräume für die reale Konstruktion von assoziativen Szenarien, ohne dabei notwendigerweise auf gewohnte phänomenologische Erkenntnismuster verzichten zu müssen.
In diesem Sinne greift Blanz auf ein Motiv moderner Stadtplanung zurück, die mit ihrem dualistischen Dispositiv der verdichteten Skyline vor dem Prospekt eines mehr oder weniger unberührten Landschaftsraums der Utopie einer menschengerechten Balance zwischen Stadt und Natur entspricht. Ausgangsmaterial für die Konstruktion entsprechender Szenarien ist dabei diverses Verpackungsmaterial aus extrudiertem Polystyrol (`Frigolite Elemente´), das aus allen möglichen Perspektiven photografisch erfasst und anschließend im Simulationsraum eines fiktiven Akteurs montiert wird. Dieser blickt wie in den Abbildungen Le Corbusiers (1) aus einem leicht überhöhten und neutralen Standpunkt gegen die Skyline einer Stadt, die sich beispiesweise aus dem spezifischen Erscheinungsbild einer ondulierenden Wasseroberfläche oder dem ausgetrockneten aschgrauen Boden einer Tongrube erhebt (Verortung mittels Angabe der entsprechenden Höhen- und Breitengrade). Trotz der minutiösen Komposition des Wechselspiels unterschiedlicher Volumen und dem Grad ihrer plastischen Ausprägung entsteht das Paradox, dass die Übergänge zwischen Grund und Körper in pittoresker Weise diffus erscheinen und sich damit die Entstehungsgesetze des Bildraums einer unmittelbaren Entschlüsselung entziehen. Die Ergebnisse assoziieren dabei die apokalyptische Befindlichkeit einer den ozeanischen Fluten einer Lagunenstadt oder dem terrestrischen Sturm einer Mondkolonie ausgesetzten Ansiedlung, deren Bewohner bereits verschwunden sind. Das Artifizielle wird sukzessive vom Umraum überformt; das repetitiv Serielle wird zur Multiplizität des Differenziellen.
„In dem Moment, wo ich glaube, eine magische Erfahrung erklären zu können, bleibt das Problem bestehen; denn ich erkläre nicht die magische Erfahrung, sondern nur irgendein Gebilde, welches vielleicht dazu führen könnte, diese magische Erfahrung zu haben.”

(2) (1) Eine Stadt der Gegenwart in `Le Corbusier, Der Städtebau, S. 201-207, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1979.
(2) Zitat Heinz von Foerster in `Teil der Welt´, S. 33, Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg, 2002.
Wolfgang Fiel, Wien 2004