GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
                       
Antonio Calderara   Antonio Calderara   Antonio Calderara   Antonio Calderara   Antonio Calderara      
                       
                       

Antonio Calderara: Malerei, Grafik, 08. 03. – 04. 05. 2007

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Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind Arbeiten von Antonio Calderara, als Künstler der Stille bezeichnet, in Wien in der Ausstellung der Galerie Lindner zu sehen:

ANTONIO CALDERARA, geboren 1903 in Abbiategrasso bei Mailand, gestorben 1978 in Vaciago, war ein hervorragender figurativer Maler (Jean Christophe Ammann), bevor er sich der konkreten Kunst zuwandte.

Das Ingenieursstudium brach er ab, um ab 1924 sich der Malerei zu widmen. Ganz Autodidakt, ist er „ein ganz hervorragender figurativer Maler, dessen Werke vor 1958 durch eine besondere, spezifisch eigene Farbqualität ausgezeichnet waren. In den kleinformatigen präzis konstruierten Kompositionen erscheinen die Figuren wie die Verdichtung einer bereits vorhandenen Raummaterie: eine mentale Räumlichkeit also, in welcher jede Form einen autonomen, licht-energetischen Ort bildet. (...) Hier setzt nun Calderara ein, indem er die bis 1958 erarbeiteten Farb-Licht-Kriterien in einfachste, oder doch wohl nur anscheinend einfachste, Formverhältnisse übersetzt. Eine neue Kunst entsteht. Das lombardische, dunstige Licht, auf das sich nun Calderara konzentriert, erhält in den genau errechneten Geviertstrukturen, auf Grund der sich gegenseitig bedingenden Farb-Form-Relation, eine intensive Leuchtkraft.“ (Jean Christophe Ammann)
Calderara entwickelt, Josef Albers nahe, seine geometrische Kunst aus der Perspektive der Malerei und spricht von der „Reduzierung des Sichtbaren bis an die Grenze des Natürlichen“ in seinen Arbeiten. Von Max Bill 1959 zur Ausstellung Konkrete Kunst 50 Jahre Entwicklung nach Zürich eingeladen, folgen ab 1965 Ausstellungen im Studio UND in München und zahlreiche weitere Ausstellungen. 1968 die Teilnahme an der documenta 4 in Kassel.

1973 entsteht eine gemeinsame Werkmappe von Antonio Calderara und Heinz Gappmayr mit dem Titel QUADRAT.

 

Folgenden Text schreibt Antonio Calderara im April 1972:

RAUM FARBE LICHT
LICHT DAS NICHT BELEUCHTET,
LICHT DAS DER RAUM, DIE FARBE, DIE STRUKTUR IST
STILLE
FARBE, DIE SICH IM LICHT VERLIERT,
RAUM, DER DAS MASS DES LICHTS IST,
STRUKTUR, DIE SICH IM LICHT KONSTRUIERT
DAS MEHR, DAS WENIG, DAS NICHTS,
JENES NICHTS, DAS WENN NICHT DAS GANZE, ZUMINDEST DAS WENIGE IST
DAS IM ENDLICHEN IDENTIFIZIERTE UNENDLICHE, DAS GANZE, DER MENSCH

Die Fondazione Calderara in Vaciago am Lago di Orta in der Nähe von Mailand zählt „zu den schönsten kleinen Privatmuseen Europas und ist einer der ganz wenigen Orte, wo moderne Kunst sich von selbst vermittelt“. Rupert Walser

 

Man muss das strahlende Licht der umbrischen Hügel, die hellen Nebel der Lombardei, die langen leuchtenden Schatten der Küste Venetiens im Gedächtnis haben, um die autonome Malerei Antonio Calderaras, ihre kostbare Unbedingtheit, ihre eigensinnige Verschlossenheit irgendwo in dieser unserer Gegenwart zu situieren", schreibt Albert Schulze Vellinghausen über den italienischen Maler ANTONIO CALDERARA (1903 - 1978), der in seinem beispiellosen Werk den Bogen spannt von der figurativen Malerei zur Konkreten Kunst. "Was anderen seiner malenden Kollegen zum schlimmen Schicksal wird - der Ringkampf mit den Zentnerlasten einer nie unterbrochenen Historie -, für Antonio Calderara wird es, dank einem Akt erkennender Klarheit, zur Chance besonderen Gelingens: er bringt diese reiche, allzu reiche Fracht ein in ein Kraftfeld des Verzichtes. Verzicht auf gefällige Komposition; Verzicht auf modische Reize des Machens; Verzicht auf überdimensionierte Formate: diese Kunst des Verzichtens lässt ihn die kargste und sprödeste Thematik wählen. Nun darf das so lastende Erbe erstrahlen im Dienst an wohlkalkulierter Schlichtheit. Das Einfachste ist ihm wichtig genug. Drei Werte ein und derselben Farbe, planimetrisch gegeneinander gesetzt - ein so ruhiger, stiller, maßvoller Inhalt verwandelt sich ihm in ein Dolkument von Größe. Es ist Hoheit, Weite, unendiche Tiefe wie auf Pieros Bildnis der Montefeltres." Albert Schulze Vellinghausen, DAS EINFACHSTE IST WICHTIG GENUG, 1965 in: Antonio Calderara, Katalog hg. v. Kestner-Gesellschaft (Katalog 5), Hannover 1968.