GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
                       
Bruch, Frömel, Linschinger   Bruch, Frömel, Linschinger   Bruch, Frömel, Linschinger   Bruch, Frömel, Linschinger          
                       
                       

Bruch, Frömel, Linschinger: 20. 09. - 25. 10. 2007

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HELLMUT BRUCH 1936 in Hall in Tirol geboren, wo er immer noch lebt, wurde letztes Jahr zu seinem 70.Geburtstag mit einer Ausstellung im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck geehrt. Sein bevorzugtes Material in den letzten Jahren ist fluoreszierendes Acrylglas.

Keine Alltagserscheinung wird von den Menschen so selbstverständlich erlebt wie das Licht. Dabei zählt die Erforschung seines Wesens zu den ältesten und immer wieder aufgegriffenen Bemühungen der Menschheit. Wurde in der sakralen Kunst ein irdisches von einem göttlichen Licht unterschieden, war es in der Naturphilosophie das Grundprinzip aller Bewegung und allen Lebens. Historisch naheliegend ist uns Heutigen immer noch die Auseinandersetzung Goethes mit der Lenkung des Lichtstrahls durch Newton. Wo Isaac Newton die Brechung des Lichts unabhängig vom Betrachter vollzieht, bindet Goethe das Subjekt in das Experiment mit ein. Letztlich lebt der Widerstreit fort in der Objektivität eines Experiments und in der Subjektivität der Sinnesempfindung.

Hellmut Bruch gelingt das Kunststück der Gleichzeitigkeit und damit der Überbrückung der Positionen. Überdies verbindet er zwei Postulate, die er mit seiner Kunst erfüllen will: Das immaterielle Medium Licht in sinnliche Erscheinung zu lenken und es damit bewusst erleben zu lassen, also Licht und Maß in Union darzustellen. Das Material, das ihm nach vielen Experimenten mit unterschiedlichen Reflektoren zum geeignetsten wurde, ist der glasartige, lichtsammelnde Kunststoff, der dadurch selbst zu einer Lichtquelle wird. Er hat den Vorzug, das in ihm versammelte Licht partiell dort abzugeben, wo es der Künstler vorgibt. Dabei bedient sich Hellmut Bruch der Zahlenfolge Fibonacci, wodurch Licht überraschend direkt in linearen Gestalten erscheint, die die Schönheit der Geometrie und des Maßes vor Augen führen.
Eugen Gomringer, in: Katalog Licht und Proportion, Ausstellung Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, 2006

 

GERHARD FRÖMEL ist 1941 in Grieskirchen geboren, er lebt und arbeitet in Wolfsegg in OÖ. Frömels dreidimensionale Objekte, alle in Alublech schwarz-weiss lackiert, lösen durch den Standortwechsel des Betrachters optische Verschiebungen von Flächen und Linien aus.

Gerhard Frömel ist ein Magier, ein Meister der Reduktion und ein Schalk. Seine skulpturalen Arbeiten, die nach Ausstellungen in nahezu allen europäischen Ländern in viele öffentliche und private Sammlungen Eingang gefunden haben, sind selten das, was sie zu sein vorgeben; sie sind bestechend in ihrer klaren Struktur und in der Einfachheit ihrer Form und: sie führen ihr Publikum auch gerne an der Nase herum. Dabei tun sie dies nicht aus Übermut, sondern sie folgen einem stringenten Konzept einer kontextbezogenen Sichtweise der individuellen Konstruktion von Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit baut auf einer strukturellen Koppelung von Körperlichkeit, Wahrnehmung und Bewegung auf.

In der Praxis der Ausstellung (…) bedeutet dies, dass sich Frömels Arbeiten erst durch die physische Aktivität der BesucherInnen entfalten: die schwarz-weißen Plastiken zwingen dazu, umschritten zu werden, sie geben ihre verblüffenden Raumtransformationen oft nur dem Blick eines einzelnen Auges preis, und sie verführen gelegentlich dazu, sich vor ihnen zu drehen, zu strecken oder in die Knie zu gehen. Gerhard Frömels Skulpturen belohnen das solcherart bewegte Publikum mit Illusionen geometrischer Geschlossenheit und räumlicher Vertrautheit. In dieser Vermeintlichkeit liegt die Brisanz von Frömels Konzept der bewegungsgebundenen Wahrnehmung: Erkennen und Verstehen können nicht übertragen oder vermittelt, sondern müssen selbst aktiv aufgebaut und konstruiert werden.
Werner Wolf, 2003

 

JOSEF LINSCHINGER ist 1945 in Gmunden geboren, er lebt und arbeitet in Traunkirchen. Josef Linschinger ist neben seiner vielfältigen künstlerischen Tätigkeit auch als Ausstellungsmacher und vor allem als Gründer und Organisator des Symposions für moderne Kunst in Gmunden bekannt, das heuer bereits zum siebzehnten Mal stattfindet.

Der Strich-Code als poetische Information.
Josef Linschinger wagt einen neuen Schritt in der grafischen Darstellung abstrakter oder/und poetischer Begriffe, indem er sie in ihren Stich-Code umsetzt; ein einfaches, klares, sinnfälliges Unternehmen, das mit seinem binären System über die Grenze unseres Jahrhunderts ins neue Jahrtausend weist.
Diese Umsetzung geschichts-, gefühls-, ideenbeladener Begriffe in ein streng gegliedertes Streifenmuster ist von spröder, ja abstrakter Schönheit. Hier wird dem weltüberspannenden Konsumbereich eine Graphie abspenstig gemacht und künstlerisch eingesetzt, um humane Inhalte zu erneuern, durch eine neue Form mit neuer Spannung aufzuladen.
Josef Linschingers Weg von der konstruktivistischen Malerei mündet ganz logisch ins Strich-Code-System, das ja eine rein konstruktivistische Sprachfigur ist; in gewisser Weise könnte man hierin die soziale Vollendung des Konstruktivismus sehen, das zwingende Ergebnis. Wenn man die Theorien der russischen Konstruktivisten der zwanziger Jahre wieder aufnimmt, kann man darin Hinweise auf die Vorausnahme eines solchen streng vereinfachten Systems finden.
Doch soll das nicht heißen, daß diese Texte Endpunkt einer Entwicklung sind; eher sind sie Standortbestimmung, Ausgangspunkt für weitere Erforschungen dieser neuen poetischen Information, Anregung, Stimulierung, Schritt ins neue Jahrtausend.
Pierre und Ilse Garnier, in: Josef Linschinger, Zyklen, Ritter Verlag, Klagenfurt/Wien 2003