GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
                       
Günther Selichar   Günther Selichar   Günther Selichar   Günther Selichar   Günther Selichar      
                       
                       

Günther Selichar: Screening . . . 10. 05. - 22. 06. 2007

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Geboren 1960 in Linz
Studium der Kunstgeschichte und Klassischen Archäologie in Salzburg und Chicago
Lebt und arbeitet in Wien

Im Zuge einer allgemeinen Rezeptionswelle der Moderne hat in den späten 1990er Jahren eine Resonanz auf abstrakte und medienreflexive, oder allgemeiner „reduktionistische“ Positionen eingesetzt. In zahlreichen Ausstellungen und Publikationen werden seither diese Updates eines kunst- und medienimmanenten Diskurses vorangetrieben. Günther Selichar zählt dabei zu den wichtigsten und konsequentesten Künstlern, dessen (vornehmlich fotografische) Arbeiten die Entstehung des Bildes aus dem Medium, und damit auch seine Rückgebundenheit an dieses Medium beinhalten.
Für die Ausstellung in der Galerie Lindner hat Günther Selichar Beispiele ausgewählt, die sein großes konkretes Thema, den Bildschirm, umkreisen: Who’s Afraid of Blue, Red and Green? von 2000/01 greift das additive Farbmodell (RGB) auf, aus welchem ein laufender Monitor alle Farben zusammensetzen kann. In Acrylglas-Stegdoppelplatten ist reines Farbpigment gefüllt, der Titel ruft sofort Barnett Newmans “Who's Afraid of Red, Yellow and Blue?” und damit auch jene in den 1960er Jahren abermals an den Grundlagen der Malerei arbeitende amerikanische Abstraktion hervor.
In seiner vielleicht bekanntesten Serie Screens, cold konkretisiert Selichar das Motiv des Monitors, indem er abgeschaltete Bildschirme unterschiedlichster Formate mit einer hoch auflösenden Digitalkamera fotografiert. Das Resultat ist einerseits ein detailliertes Abbild (der Screen wird dabei von einem schmalen Streifen seines eigenen Gehäuses gerahmt), andererseits ein gänzlich autonomes Bild – Bild und Abbild diffundieren – und in der Luft liegt das gegenwärtig Alltägliche, dass „kaum ein Lebensbereich frei ist von Schirmen“.
Die Thermographien schließlich stellen den 3. möglichen Modus des Monitors dar: Stand-by; nicht an, nicht aus, sondern bereit. Mit einer Wärmebildkamera wird die Temperaturverteilung eines solchen auf Stand-by gesetzten Screens aufgenommen, wobei sich die Variationen des Farbspektrums durch veränderte Kameraeinstellungen ergeben. Die Visualisierung findet in einem Bereich (Infrarotstrahlung) statt, der für das Auge sonst unsichtbar bleibt.
Die Bilder am Schirm sind unsere Surrogate von Welt, wird die Maschine abgeschaltet, tritt ihre Oberfläche kurzfristig zu Tage, aber jederzeit bereit, sich wieder hinter die Bilder zurückzunehmen. Das fotografische Bild Selichars ist dabei stets ein Produkt der medialen Dimensionen, im Unterschied zum Bild als reine Illustration.“
Ruth Horak, 2007