GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
 
ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood  
                           
ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood  
                           
ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on woodHARTMUT BÖHM, KLAUS J. SCHOEN – Lineare Korrespondenz   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood   ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood  
                           
                           

ROGER ACKLING 1947 – 2014 sunlight on wood, 11. 09. – 26. 09. 2014

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ROGER ACKLING

Geboren 1947 in Isleworth, London, GB
Gestorben 2014 in Norfolk, GB



WEYBOURNE SCULPTURES, Philip Swann

An der langen weißen Wand hängen, etwa in Augenhöhe, einige Stücke von altem Möbelholz, als hätte jemand – so der erste Eindruck, den man noch aus der Distanz, beim Eingang zur Galerie gewinnt - von einem Abbruchhaus wahllos ein paar Stücke mitgenommen und sie schließlich hier aufgehängt. Aus der Nähe betrachtet, lassen die Holzteile jedoch eine andere Herkunft erahnen: ihre Farbe ist matt oder ausgebleicht, die Fragmente von metallenen Beschlägen durch die lange Einwirkung der Elemente verrostet. Doch merkwürdigerweise weisen sie alle den Rest eines Musters auf – ein dunkleres Rechteck, das den Großteil der sichtbaren Oberfläche bedeckt, und nur einige wenige schmale Streifen oder Rechtecke von hellerem naturbelassenem Holz ausspart. Dieses Muster lässt vermuten, dass die Stücke vielleicht einst zusammenpassten und Teile irgendeines funktionalen oder dekorativen Ganzen waren. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass die dunkleren Bereiche aus Dutzenden von dicht nebeneinander liegenden in die Oberfläche eingebrannten Linien bestehen, als hätte jemand das Holz, nachdem er es gefunden hatte, auf einen heißen Rost gelegt. Die Linien sind jedoch zu weich, zu natürlich für einen solchen mechanischen Prozess; sie erinnern eher an eine mit Kohlestift und Lineal ausgeführte grafische Schraffur. Der Schluss liegt auf der Hand: Die Linien sind das Werk des Künstlers.

Nun kann jedes Stück als eine minimalistische geometrische Zeichnung gelesen werden, die auf einem found object ausgeführt ist. Diese Interpretation erweist sich jedoch angesichts des raffinierten Zusammenspiels zwischen den Eigenschaften des Objekts und der Intervention des Künstlers als zu einfach. Die schraffierten Bereiche teilen praktisch die gesamte Oberfläche in Hälften oder Viertel und heben so die Symmetrielinien des Objekts hervor, während andererseits eine Verwachsung, ein Nagel oder irgendein anderes zufällig vorhandenes Detail seine je eigene rechteckige Fläche definieren und so die Kontinuität der Schraffur unterbrechen kann. Und ein solches Rechteck, kann manchmal, aber nur manchmal, durch Reflexion oder Rotation des Objekts, zum Gegenbild seiner selbst werden. Ein einzelner rostiger Nagelkopf, der kaum aus der Oberfläche des Holzes hervorragt; ein winziger Farbtupfen; ein zerbrochenes Scharnier: Sie sind die Akteure in diesen subtilen kompositionellen Aussagen. Damit tritt zur offensichtlichen stilistischen Einheitlichkeit der Zeichnung auch eine inhaltliche Kontinuität. In der Tat ist der Eindruck von Kontinuität zwischen einem Stück und dem nächsten so stark, dass man momentan ins Zweifeln kommt, ob nicht der eine oder andere Nagel oder sonstige Überrest vielleicht in Wahrheit vom Künstler selbst angebracht oder modifiziert wurde. Bei genauer Prüfung wird jedoch klar, dass dies unmöglich ist, und man kommt zu der Erkenntnis, dass die ursprünglich vom Künstler getroffene Auswahl der Stücke, die als Träger für die Zeichnung dienen sollten, ebenso wichtig war wie die Zeichnung selbst.

Einmal geklärt, tritt die materielle und formale Grundlage des Werks in den Hintergrund - es bleibt die Auseinandersetzung mit dem intimen, ikonischen Charakter jedes einzelnen Stücks. Ihre geringe Größe und flüchtige Existenz als Objekte wird durch die minimalistische Intervention des Künstlers unterstrichen, gleichzeitig aber durch die Zartheit der Intervention, ihre Sorgfalt und ästhetische Qualität in Abrede gestellt. Einfachheit, Reinheit, tiefe Achtung: mit diesen Worten lässt sich wohl am besten die emotionale Wirkung beschreiben, die viel nachhaltiger ist als die intellektuelle Herausforderung. Und sie bleibt auch dann ungebrochen, wenn man die äußeren Umstände der Ausstellung erfährt: Bei dem Holz handelt es sich zur Gänze um Treibholz, das auf dem langen Kieselstrand von Weybourne, einem kleinen Ort an der Küste von Norfolk in England, aufgesammelt wurde. Die Zeichnung entstand, indem der Künstler das Stück in einer Hand hielt und mit der anderen mittels einer optischen Linse die Sonnenstrahlen fokussierte - eine Technik, die ungeheure Geduld und Konzentration erfordert. Die imaginative Teilnahme des Betrachters geht daher bei allen Stücken über deren sichtbare Präsenz hinaus und schließt ihren gesamten Entstehungsprozess mit ein.

In Acklings Werk spiegeln sich viele der zentralen Ideen der zeitgenössischen Kunst. Die langen, einsamen Spaziergänge, die der Künstler unternimmt um das Ausgangsmaterial zu finden; die Balance zwischen Zufall, bewusster Auswahl und eigener Schöpfung; die Zeichnung, die dem Künstler mental und physisch alles abverlangt, und bei der er sich in einem fast meditativen Zustand befindet; der rigorose Minimalismus der künstlerischen Intervention: Alle diese Aspekte des Werkes definieren es als Teil einer größeren künstlerischen Kultur, ohne dass seine Originalität und Autonomie dadurch geschmälert würden.

Auf einer abstrakteren, beinahe philosophischen Ebene scheint es logisch, Acklings Stücke im Kontext der zahlreichen Grenzen und Trennlinien zu sehen, die so viele große Werke der modernen Kunst inspiriert und definiert haben. Das Treibholz, das von einem Wintersturm an einen Kieselstrand in Norfolk gespült wurde, lag an der Grenze zwischen Land und Meer, zwischen dem Land, das der Mensch besitzt und beherrscht, und dem Meer, das sich seiner Kontrolle entzieht. Das Holz selbst ist ein Naturprodukt, welches einst von Menschen in nützliche Dinge wie Kisten, Schränke und andere Möbel verwandelt wurde. Als Abfall unserer Zivilisation wurde es Teil der Grenze zwischen uns und der Natur. Doch dieser Abfall wurde nicht vergraben oder verbrannt: Er fand seinen Weg ins Meer, wo Salz, Wasser und Sonne ihr Werk taten. Dann wurde er zurück an den Strand getragen, nun nicht mehr wertloser Müll, sondern schönes Objekt. Indem Ackling sich der Sonne als Hilfsmittel bedient, geht er in seinem künstlerischen Anliegen, nicht nur teilzuhaben, sondern eins zu werden mit diesem natürlichen Transformationsprozess, bis zum Äußersten. Die Zeichnung selbst aber, in ihrer formalen Eleganz, bestimmt die vollendeten Objekte eindeutig als Produkte des menschlichen Geistes. Und es sind ganz besondere Produkte: Nicht nur Kunstwerke in einer Ausstellung, sondern jene Art von Kunst, die die Grenzen dessen, was Kunst ist und was nicht, neu definiert. Und das gilt auch für die Grenzen innerhalb der Kunst selbst, die Acklings Werk ebenfalls auslotet und in Frage stellt, überschreiten diese Objekte doch die Grenzen zwischen Malerei, Zeichnung und Skulptur.

 

EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl seit 2010)

2010
Galería Elvira González, Madrid
The Cut Arts Centre, Halesworth, Suffolk
Galerie Gisèle Linder, Basel
Schmidt Contemporary Art, Saint Louis

2011
The Holly Stubbings Gallery, Norwich
Galerie Michael Sturm, Stuttgart
Cairn Gallery, Nailsworth, Gloucestershire
Chelsea Space, London
Galerie Peter Lindner, Wien
The Anteros Arts Foundation, Norwich
Norwich University College of the Arts (N.U.C.A.), Norwich
Charles Booth-Clibborn, London

2012
Galerie Josine Bokhoven, Amsterdam
Ingleby Gallery, Edinburgh
Annely Juda Fine Art, London
Galerie Inga Kondeyne, Berlin
Rosa Turetsky Gallery, Genf
Galeria Elvira Gonzalez, Madrid
Von Lintel Gallery, New York

2013
Von Lintel Gallery, New York
Galeria Elvira Gonzalez, Madrid
Galerie Gisele Linder, Basel