GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
 
AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte   AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte   AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte   AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte   AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte   AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte   AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte  
                           
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AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte: 12. 05. – 10. 06. 2016

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K U R Z B I O G R A F I E

1941 geboren in Schweinfurt, D
1967 Übersetzer-Diplom in Russisch und Französisch am Dolmetscher-Institut der Universität Heidelberg, D
1972–76 Übersetzerin in Moskau, RUS
1979–80 School of Visual Arts und Art Students League/Grafik, New York, USA
1981 Gaststudium an der Angewandten in Wien, A
2004 Artist in Residence (BKA Wien, Kunstsektion) in Nanjing, China, CHN
2007–08 Lehrtätigkeit in Shaoxing, China, CHN

Seit 1983 freischaffende Künstlerin in Wien: Objektkunst, Zeichnung, Fotografie

Einzelausstellungen: China, Deutschland, Russland, Serbien, Ukraine, Österreich

 

AKELEI SELL in der schwebe – diaphane objekte

Minimalistisch, konkret

Die Arbeitsweise von Akelei Sell läuft sehr präzise ab. Ihre Installationen bedingen ein genaues Eingehen auf den Raum. So ist die Konstellation der Objekte zueinander und im Raum wohl durchdacht. Die materialisierte Leichtigkeit der künstlerischen Arbeiten scheint die Schwerkraft aufzuheben. Der Ausstellungstitel „in der schwebe“ betont dieses physische Moment.
Die Grundtendenz zur Reduktion zeigt sich in der Wahl geometrischer Formen – Quadrate, Rechtecke, Kreise und Ringe aus satiniertem oder glasklarem Acrylglas, bemalt mit hauchdünnen Farbschichten – glänzend, matt, irisierend. Manchmal tragen sie nur hauchdünne Spuren von Malmedium und sind stellenweise fein geschmirgelt. Vorder- und Rückseite der diaphanen Arbeiten erscheinen äquivalent. Kreise und Ringe bilden den momentanen Arbeitsschwerpunkt der Künstlerin und stellen die Abrundung einer Werkphase von 2013 – 2016 dar.
Das Eingehen auf die Eigenheit des Materials und dessen Gestaltung durch Farbe oder Nicht-Farbe bestimmen das Werk von Akelei Sell. Die minimalistische Formensprache der Künstlerin manifestiert auf konkrete Art das Wesentliche. Ihre durchscheinenden Objekte (Kreise, Ringe) und Bildobjekte (Tableaus) sind frei von Gegenstandsbezügen und rein durch geometrische Konstruktion erzeugt. Die sich in der Materialität verwirklichende Form trägt ihre Bedeutung in sich selbst, ähnlich der Konkreten Kunst.(1) Die Kunst von Akelei Sell kann allerdings nicht subsumiert werden, darin liegt ihr Frei_Raum.

Frei_Raum

Ein Intervall in der Zeit und im Raum birgt eine Vielzahl an Möglichkeiten. Die abstrakte Vorstellung von der essentiellen Leere und dem Frei_Raum kennzeichnet auch das japanische Konzept von Ma. Nicht alles tritt in der japanischen Kunst offen zu Tage – der Moment der Andeutung verbleibt. Die Betrachter*innen können in diesen Frei_Raum eintreten. Die Leere stellt keinen Mangel dar. Vielmehr ist sie ist eine eigene Form der Existenz. Verborgenes und Geheimnisvolles erhält auf subtile Weise Raum. Die Werke von Akelei Sell liegen auf einer ähnlichen Ebene räumlicher Andeutung und Imagination. Das horizontal gefaltete lose Blatt II und die frei im Raum installierte vertikale, semitransparente Faltung aus dem Jahr 2014 kommen dem Verständnis von Ma am nächsten. Gefaltet, gerollt und ausgebreitet stellen sie zudem einen Übergang zwischen Zeichnung, Malerei und Skulptur dar.

Konstruktiv

Die transparenten Collagen Spirale II, April, Mai aus dem Jahr 2013 werden als einzige in der Ausstellung durch einen Rahmen begrenzt. Einfache geometrische Formen und kyrillische Buchstaben schweben, fallen und steigen im unbestimmbaren Raum. Unterschiedliche Dichte, Tiefe und Dynamik werden dadurch erzeugt. Sie scheinen eine dritte Dimension zu erschaffen und lassen an die Proun (2) -Bildkompositionen des russischen Avantgardisten El Lissitzky denken, in denen geometrische Figuren eine räumliche Wirkung auf zweidimensionaler Fläche erzeugen. In seinem Prounenraum richtete er die geometrischen Formen plastisch und gemalt ein – zueinander in Verbindung stehend. Bei Akelei Sell treten Linie und Fläche als eigenständige Objekte im Ausstellungsraum in Erscheinung.

Licht

Akelei Sell installiert Ringe und Kreise fast schwerelos frei im Raum, ihre Tableaus lehnt sie leicht an die Wand, die losen Blätter rollt sie horizontal aus. Diese Art der Präsentation lässt erkennen, dass eine Ausstellung auch eine Technik des Zeigens ist. Sie ermöglicht eine Reflektion darüber, wie das Gezeigte gezeigt wird. El Lissitzky schlug zur Betrachtung seiner Gemälde und Collagen u.a. ebenso die Horizontale vor, da sie eine andere Art der Lesbarkeit eröffnet – für El Lissitzky die des Studiums, weil damit das Ästhetische und die Zierde überwunden würden.
Angenommen, die Vertikale ist der Kontemplation und die Horizontale dem Studium zuträglich, wie verhält es sich dann mit den Kunstobjekten von Akelei Sell? Ihre diaphanen Objekte erscheinen entgrenzt und als freie Bestandteile des Raumes. Die Andeutung der Künstlerin liegt in dem Raum dahinter – zwischen Wand und Objekt. Es ist der Spielraum des Lichtes – es wird reflektiert und absorbiert. Diese bedachte Auseinandersetzung eröffnet Raum, der von der Künstlerin offen gelassen wird. Ihre Kunst liegt in der konkreten Verfeinerung. So bedingen das Durchscheinende und Lichthafte einander im Œuvre von Akelei Sell. Mit ihren transluziden Arbeiten erkundet sie Leichtigkeit, Licht und Weite – sie leiten sich aus ihrem Wiener Atelier her, einem Raum aus Licht.
Panta rhei – wer denselben Raum betritt, dem fließt anderes und wieder anderes Licht zu.

Sabine Paukner

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1 Der Begriff wurde 1924 von Theo van Doesburg als Gegensatz zur Abstrakten Kunst eingeführt. Die Konkrete Kunst basiert auf Flächen und Farben mit klaren geometrischen Prinzipien und ist ohne jegliche symbolische Bedeutung.

2 Angeregt durch Kasimir Malewitsch widmete sich El Lissitzky der gegenstandslosen Geometrie und entwickelte 1919 Proun – „Projekt der Etablierung des Neuen“, das sich als Weiterführung des Suprematismus, der ersten konsequent ungegenständlichen Kunstrichtung, in die Dritte Dimension versteht.