GALERIE LINDNER WIEN

 

 

 

 

 

 
                       
Heinz Gappmayr   Heinz Gappmayr   Heinz Gappmayr   Heinz Gappmayr   Heinz Gappmayr   Heinz Gappmayr  
                       
                       

 

HEINZ GAPPMAYR
1925 – 2010 (Innsbruck)

 

Sprache: Material und Essenz im Werk von Heinz Gappmayr

Das Werk Heinz Gappmayrs wird bestimmt von seinem Material, der Sprache, wobei der Begriff des Materials in diesem Zusammenhang problematisch ist. Er suggeriert eine Diskrepanz zwischen Oberfläche und dahinter liegender Bedeutung. Normalerweise ist das Material ist das Werkzeug des Künstlers. Das Wesentliche wird scheinbar dahinter sichtbar. Im Werk von Heinz Gappmayr jedoch ist das Verhältnis zwischen Materialität und Bedeutung viel komplexer. Dies liegt an der Struktur des „Materials“ selbst.
Die Sprache erscheint uns als etwas Selbstverständliches und Natürliches. Sie ist alltägliches Kommunikationsmittel, wir sind umgeben von Sprache und bedienen uns der Sprache durch das Sprechen und die Schrift. Die Sprache ist untrennbar mit dem Menschen verbunden. Wir teilen uns mit, hören zu, schreiben und lesen. Durch den natürlichen Prozess des Spracherwerbs sind wir es nicht gewohnt, über das Wesen der Sprache zu reflektieren. Wir reduzieren die Sprache oft auf ihre bloße Funktionalität, d.h. auf die Vermittlung von Inhalten. Diese Inhalte lassen die Sprache selbst in den Hintergrund treten. Dies gilt nicht nur für Aspekte des Alltäglichen, wie etwa in Gesprächen, Briefen oder anderen dialogischen Situationen. Auch in der Literatur ist die Sprache die Konstruktion einer Wirklichkeit, die außerhalb der Sprache selbst liegt. Es geht um narrative Kontexte, um Befindlichkeiten oder zwischenmenschliche Beziehungen. In der Dichtung spielen verschiedene Aspekte der Sprache wie Klang, Reim und Metaphorik eine wichtige Rolle, doch auch sie vermitteln das Bild einer außersprachlichen Welt, wie etwa in Landschaftsgedichten oder in der Liebeslyrik.
In Gappmayrs Werk ist die Sprache weit mehr als künstlerisches Werkzeug. Sie ist zugleich Material und Kunstgegenstand. Das Material bedingt aber auch die Komplexität des Werkes. In Gappmayrs Werken ist die Sprache präsent als Schrift, als ein System sinnstiftender Zeichen. Doch es geht nicht allein um Schrift als Bild. Natürlich sind die bildnerischen Möglichkeiten der Schrift unerschöpflich. Die zwangsläufige Linearität des Sprechens kann in der Schrift aufgehoben werden. Die Schrift durchdringt den Raum in allen Richtungen. Durch die Krümmungen und Lineaturen der Schrift werden die sprachlichen Zeichen zu räumlichen Elementen. Die Schrift ermöglicht eine simultane Rezeption der Bildfläche. Gewohnte strukturelle Hierarchien der Sprache können aufgehoben werden. Buchstaben können sich verselbständigen, sie bilden von Wörtern unabhängige Strukturen. Wesentlich ist jedoch, dass die Schrift bei Gappmayr selbst Gegenstand der Kunst ist und nicht mehr als Vermittler vergänglicher Inhalte in den Hintergrund tritt. Darauf bezieht sich auch der in diesem Zusammenhang immer wieder verwendete Begriff der Selbstreferentialität der Sprache. Fragestellungen, die sich auf die Sprache selbst beziehen, sind von künstlerischer Relevanz. So ist die Differenzierung zwischen Begriff, Wort und Gegenstand von fundamentaler Bedeutung. Das Wort hat physische Präsenz. Es steht dem Betrachter als Folge bestimmter sprachlicher Zeichen sichtbar auf der Fläche gegenüber. Die begriffliche Realität wird in der Wortbedeutung erfassbar. So wird etwa die Beziehung zwischen Wort und Gegenstand sichtbar in den Unterschieden zwischen verschiedenen Sprachen. Wörter, die scheinbar nichts miteinander gemein haben, umfassen das gleiche Objekt der Wahrnehmungswelt, wie bei „cloud“, „wolke“, „nuage“. Der poetischer Reiz liegt in der Differenzierung des Gegenständlichen allein durch die Möglichkeiten der Sprache. Worin mag sich eine französische Wolke von einer englischen unterscheiden? Ist es nicht ein Himmel, an dem sie ziehen? Dazu kommt bei diesem Text neben der versetzten Position der Wörter auf der Fläche, dem unterschiedlichen Aussehen und der völlig unterschiedlichen Aussprache die Unabdingbarkeit der Sprache als künstlerisches Medium. Der Text lässt sich nur so darstellen, er kann nicht durch die bildliche Darstellung oder die diskursive Beschreibung einer Landschaft ersetzt werden. Die poetische Kraft der Sprache als System von Zeichen und ihr komplexe Beziehung zur Wirklichkeit ist Thema dieses Werkes.
Die Bedeutung der Begriffe bestimmt die künstlerische Intention und Qualität. Daher die Vorliebe Heinz Gappmayrs für kategoriale Bestimmungen wie Zeit und Raum oder Begriffe, die Aspekte des Ontologischen umfassen wie Wahrnehmung, ist, sind, Licht, Gegenstand oder Objekt. Dies impliziert einen stark existentiellen Kern in Gappmayrs Werk, aber nicht in einem narrativ diskursiven Sinn. Vielmehr ist die Sprache selbst untrennbar mit dem Menschen verbunden. Die Rezeption der Werke, die konzeptuelle Bedeutung von Sprache, ihre Ideenhaftigkeit und die Priorität des Vorgestellten, dies alles wird in den Werken Heinz Gappmayrs erfassbar als ungeheuerliches, ja letztlich unbegreifliches Phänomen, das in der Kunst eine adäquate Form findet. Das Geheimnis der Voraussetzungen unseres Denkens und des Erfassens von Sinn, die Schönheit und Komplexität eines Systems sprachlicher Zeichen wird hier als künstlerische Realität sichtbar.
Gaby Gappmayr Oktober 2005

 
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EINZELAUSSTELLUNGEN (seit 1996)

1996
Schloß Balmoral (mit Lore Bert und Günther Uecker), Bad Ems
Museum Waldhof, Bielefeld
Galerie Eugen Lendl, Graz
Janus Avivson Gallery, London
Kunsthaus Zug

1997
Galerie Pohlhammer, Steyr
Galerie Widauer, Innsbruck
Städtische Galerie Lienz (mit Hellmut Bruch)
Kunstverein Jena. 1997 Kunsthalle Wien
Kunsthalle Budapest. 1998 Galerie Mathieu, Lyon

1998
Galerie Winter, Berlin
Die Weisse Galerie, Köln (mit Fred Sandback)

1999
Literaturhaus, Salzburg
Städtische Galerie, Traunstein

2000
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck
Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz
Galerie Lindner, Wien
ÖBV, Wien
Galerie im Schloß Porcia, Spittal/Drau
Galerie im Taxispalais, Innsbruck

2001
Galerie Lindner, Wien
Dengel Galerie, Reutte
Kreditanstalt für Wiederaufbau, Berlin

2002
Kunstuniversität Linz

2003
Galerie Wosimsky, Gießen
Galerie Widauer, Innsbruck
Galerie Lindner, Kunstmesse Wien

2004
Mies van der Rohe Haus, Berlin

2005
Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz
Galerie im Taxispalais, Innsbruck (Buchvorstellung)
Galerie Wosimsky, Gießen. 2005 Galerie Widauer, Innsbruck
Galerie Lindner, Wien
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

2007
Forum konkrete Kunst, Erfurt (mit Lore Bert)
Galerie Widauer, Innsbruck


GRUPPENAUSSTELLUNGEN

zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland